Soziales, Recht und Psyche
Schwerbehinderung, Beruf, Krankenkasse, Psyche und Vorsorge: allgemeine Orientierung zu den Themen rund um das Leben mit Diabetes in Deutschland.
Allgemeine Infos, keine ärztliche Beratung. Für die persönliche Therapie ist das Diabetesteam da.
Habe ich mit Typ 1 Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis?
Ein Grad der Behinderung (GdB) wird beim Versorgungsamt beantragt. Bei Typ 1 wird ein GdB von 50 (Schwerbehinderung) in der Regel angenommen, wenn täglich mindestens vier Insulingaben nötig sind, die Dosis selbst angepasst wird und die Lebensführung erheblich eingeschnitten ist. Die Entscheidung trifft das Versorgungsamt, eine Beratung vor dem Antrag lohnt sich.
Wie stelle ich den Antrag auf einen GdB?
Der Antrag läuft über das Versorgungsamt beziehungsweise das zuständige Landesamt, oft mit einem Online-Formular. Sinnvoll ist es, aussagekräftige Unterlagen beizulegen: ärztliche Befunde, den Diabetes-Pass und, falls vorhanden, Blutzucker- oder CGM-Auswertungen und ein Tagebuch. Kostenlose Hilfe beim Ausfüllen geben Sozialverbände wie VdK oder SoVD und die örtliche Selbsthilfe-Kontaktstelle. Bei Ablehnung ist ein Widerspruch möglich.
Kann ich mit Typ 1 jeden Beruf ausüben?
Die allermeisten Berufe sind mit Typ 1 problemlos möglich. Sinnvoll ist, zumindest nahe Kolleginnen und Kollegen einzuweihen, damit sie bei einer Unterzuckerung helfen können. Nur wenige Tätigkeiten mit hohem Gefährdungspotenzial sind eingeschränkt, etwa Pilot oder Fluglotse.
Zahlt die Krankenkasse Sensor und Insulinpumpe?
CGM-Systeme gehören seit 2016 zum Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen und werden bei intensivierter Insulintherapie, wie sie bei Typ 1 üblich ist, in der Regel übernommen. Voraussetzung ist eine ärztliche Verordnung mit Begründung und eine Schulung. Auch die Pumpentherapie ist bei entsprechender Indikation Kassenleistung. Details klären Diabetesteam und Krankenkasse.
Der Diabetes laugt mich aus, ist das normal?
Die Dauerbelastung durch die ständige Selbstversorgung ist verbreitet und nachvollziehbar, Fachleute nennen das Diabetes-Distress oder Diabetes-Burnout. Das ist keine persönliche Schwäche. Wenn Motivation, Stimmung oder Therapie dauerhaft leiden, hilft es, das offen anzusprechen: beim Diabetesteam, bei einer psychologischen Fachperson oder in der Selbsthilfegruppe.
Warum sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig?
Ein dauerhaft erhöhter Blutzucker kann mit der Zeit Augen, Nieren, Nerven und Füße belasten, dafür gibt es feste Vorsorgeuntersuchungen, unter anderem eine jährliche Augenkontrolle. Der Sinn ist positiv: früh erkannt lassen sich Folgen oft vermeiden oder hinauszögern. Die wichtigsten Bausteine sind eine gute Einstellung und das Wahrnehmen der Kontrolltermine.
Ich möchte selbst eine Selbsthilfegruppe gründen, wie fange ich an?
Wer in seiner Region keine passende Gruppe findet, kann selbst eine gründen, dafür braucht es keine Fachausbildung. Erste Anlaufstelle sind die Selbsthilfe-Kontaktstelle vor Ort (wie die KiSS) und bundesweit die NAKOS. Sie beraten kostenlos, helfen bei Räumen und Bekanntmachung und oft mit einer Anschubfinanzierung. Die Krankenkassen fördern Selbsthilfe zusätzlich finanziell.
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